Der Schweizer Weltatlas 2017

Eine neue Ära der Kartografie

Digitale Lehrmittel

Ein Besuch bei Professor und Chefredaktor Lorenz Hurni sowie seinem Team gibt Einblick in die letzte der Arbeit am Atlas vor dem Druck.

Beim Besuch am Institut für Kartografie und Geoinformation an der ETH Zürich ist der neue «Schweizer Weltatlas» omnipräsent: An den Bildschirmen erfolgt gerade der letzte Feinschliff an einzelnen Karten, im Besprechungsraum liegt ein Stapel mit Druckbögen und an der Wand hängt ein Plakat mit dem Titelbild des neuen Werks. Die darauf abgebildete Weltkugel in Rot-Weiss verdeutlicht es auf den ersten Blick: Der neue «Schweizer Weltatlas» ist nicht einfach eine Weiterentwicklung, sondern eine Neukonzeption. «Und zwar eine, die wiederum auf die Bedürfnisse von Schweizer Schulen zugeschnitten ist – und übrigens auch komplett in der Schweiz hergestellt worden ist», erklärt Lorenz Hurni, Professor für Kartografie am ETH-Institut für Kartografie und Geoinformation. Gemeinsam mit einem siebenköpfigen Team von Geografen, Geomatikingenieuren und Kartografen hat er in den letzten fünf Jahren an diesem Projekt gearbeitet. Das Resultat ist ein 256-seitiger Atlas mit neuen Inhalten und einer benutzerfreundlichen Struktur. So wurde das Werk zum Beispiel um einen Einführungsteil von 14 Seiten ergänzt.

Zusammenhänge aufzeigen und Vergleiche ermöglichen

Was der Einführungsteil beinhaltet, erklärt Lorenz Hurni in seinem Büro: «Der erste Bereich des Schweizer Weltatlas liefert wertvolle Hintergrundinformationen zur Kartografie. So wird zum Beispiel erläutert, wie raumbezogene Daten erhoben, redigiert und schliesslich in Form von anschaulichen Karten dargestellt werden.» Die Teilkompetenzen «Karten anfertigen», «Karten auswerten» und «Karten bewerten» entsprechen den Vorgaben im Lehrplan 21 und werden anhand von geografischen Fragestellungen gefördert.

Gesamthaft zeigt der Einführungsteil auf, wie man den «Schweizer Weltatlas» nutzen kann. «Denn dieser soll nicht nur Briefträgergeografie vermitteln – also die Lage von Ländern, Städten, Gebirgen, Seen und so weiter. Vielmehr will er Zusammenhänge aufzeigen und die Möglichkeit bieten, Vergleiche anzustellen», betont Hurni. Dazu dienen zum Beispiel verschiedene Typen von Karten, die allesamt neu gestaltet und zum Teil auch inhaltlich neu konzipiert worden sind. Dies sind etwa die Wirtschaftskarten, die unter anderem anhand proportionaler Kreissymbole die Wirtschaftskraft städtischer Zentren aufzeigen.

 

Die Weltwirtschaft auf Karten

«Das Material für Wirtschaftskarten haben wir mittels existierender Statistiken erarbeitet und zielgruppengerecht aufbereitet», sagt Hurni und verdeutlicht damit auch, was hinter dem Atlas steckt: sehr viel redaktionelle Arbeit. «Rund die Hälfte der Arbeitszeit wendeten wir dafür auf, Quellmaterial zu sichten, seine Plausibilität zu prüfen und für den gewünschten Zweck darzustellen.» Entstanden sind auf diese Weise auch weitere Typen von Karten – Stadtkarten, Flächenmosaikkarten, Bevölkerungsdichtekarten und politische Karten – sowie zahlreiche aussagekräftige Informationsdiagramme, die komplexe geografische Sachverhalte veranschaulichen.

Aktuelle Themen à la carte

Im neuen «Schweizer Weltatlas» werden aktuelle Themen wie Umwelt, Energie, Naturgefahren oder Konflikte aufgegriffen. So zeigt eine Karte zum Beispiel die Gas- und Ölgewinnung in Russland inklusive der beeindruckenden Pipelineinfrastruktur, eine andere ordnet die Zahl der Opfer im Nahostkonflikt räumlich zu. Und im umfangreichen Schweizer Teil werden auch nationale Inhalte abgedeckt. Zu finden sind hier etwa Karten zur hiesigen Bildungslandschaft oder zur Viehwirtschaft im Säntisgebiet. Viele topografische Grundlagendaten dazu stammen vom Bundesamt für Landestopografie (swisstopo). Zur guten Auffindbarkeit dienen das Inhalts- und das thematische Verzeichnis, der Namens- und der Sachindex sowie eine Länderübersicht.