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Vom Erzähldrachen zum Erzählplan

Einblick in das neue Deutschlehrmittel für den Zyklus 2 «Deutsch Sechs»

Drei Jugendliche im Klassenzimmer

Mit dem Erscheinen des letzten Bandes deckt die Deutschlehrmittelreihe die Volksschule vollständig ab – vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe I. Gerade weil das Lehrmittel über alle Stufen hinweg eingesetzt werden kann, lassen sich Sprachkompetenzen systematisch aufbauen. Denn «Deutsch» ist spiralcurricular angelegt: Wichtige Methoden und Sprachhandlungen werden vom 1. Zyklus an eingeführt, später wieder aufgenommen, vertieft und in anspruchsvollere Zusammenhänge gestellt. Schülerinnen und Schüler begegnen vertrauten Vorgehensweisen erneut und lernen, sie zunehmend selbstständig zu nutzen.

Der Erzähldrache wächst mit
Ein gutes Beispiel dafür ist das Erzählen aus dem Kompetenzbereich Schreiben. In der 4. Klasse lernen die Kinder den Erzähldrachen kennen. Er visualisiert den Aufbau einer Geschichte und unterstützt sie dabei, eigene Erzählungen zu planen, spannend zu schreiben und Texte gezielt zu überarbeiten. In der 5. und 6. Klasse wird dieses Modell differenzierter genutzt: Spannungsbögen werden komplexer, Einstiege variabler, erzählerische Entscheidungen bewusster. Der Drache verändert sich entsprechend (siehe Abbildung unten).

 

In der Sekundarstufe I tritt an die Stelle des Drachen die altersgemässe Methode «Texte planen» bzw. der Erzählplan. Das Bild vom Drachen verschwindet, die Struktur bleibt jedoch erhalten. Wer bereits in der Primarstufe mit dem Erzähldrachen gearbeitet hat, erkennt das Gerüst wieder – nun in abstrahierter Form – und kann darauf aufbauen, wenn es um anspruchsvollere Schreibaufgaben und eine bewusste Textgestaltung geht.

Methoden fürs selbständige Lernen
Ruth Gschwend, Fachexpertin für die Methodenentwicklung der Lehrmittelreihe «Deutsch», erläutert: «Ein Ziel ist, dass die Methoden am Ende der 9. Klasse weitgehend selbstständig angewendet werden können.» Dafür werden Verfahren nicht nur eingeführt, sondern über mehrere Schuljahre hinweg ausgebaut. «Ich hätte die Fotos auch digital zeigen können», erklärt die Lehrerin später. «Doch für die Gruppenarbeit fand ich die Printversion passender. Man kann sich besser austauschen, als wenn alle in einen kleinen Bildschirm schauen müssen.» Nach der Gruppenarbeit hängen einige Schülerinnen und Schüler die Bilder mit Magneten an die Wandtafel. Die ganze Klasse spricht darüber, was zu sehen ist und was ihnen an den einzelnen Zimmern gefällt. Negative Kommentare schliesst Claudia Müller von Beginn an aus und alle halten sich vorbildlich an diese Vorgabe. Für viel Spass sorgt das Raten, welches Zimmer wem gehört. Meist liegen die Jugendlichen richtig. Hierzu ein weiteres Beispiel: die Methode «Texte hören und verstehen». Diese grundlegende Kompetenz wird bereits zu Beginn der Primarschule in vereinfachter Form eingeführt, aufgeteilt auf die beiden Methoden «Sich auf das Zuhören vorbereiten» und «Das Gehörte sichern». Während dies im Zyklus 2 vertieft wird, kommt in der Sekundarstufe I die anspruchsvolle Methode «Notizen machen» hinzu, deren Relevanz Ruth Gschwend betont: «Kann das eine Person nicht, verunmöglicht das oft, dass sie in weiterführenden Schulen und im Berufsleben Gehörtes und Gelesenes effizient verarbeiten kann.»

Sprache wiederholt im Fokus
Weil sich Wissen unterschiedlich festigt, greift die Sekundarschule zentrale Inhalte nochmals auf und erweitert sie – auch im Bereich der Grammatik (Sprache(n) im Fokus). Bereits in der Primarstufe werden Wortarten, Zeiten und Satzzeichen eingeführt und in unterschiedlichen Kontexten angewendet. Zu Beginn der Sekundarstufe I werden sie jedoch nicht einfach als gesichertes Wissen vorausgesetzt, sondern nochmals neu eingeführt, systematischer geordnet und differenziert. So werden beispielsweise innerhalb der Wortart Partikel zusätzlich Konjunktionen und Präpositionen unterschieden

Expertise sichert stufenübergreifende Kohärenz
Sprachwissenschaftler Peter Gallmann betont die funktionale Perspektive der Grammatik: «Schülerinnen und Schüler sollen Grammatik nicht um der Grammatik willen büffeln, sondern ihr Wissen über Sprache im Alltag anwenden können.» Als Fachexperte stellte Gallmann beim Lehrmittel «Deutsch» sicher, dass Grammatik und Rechtschreibung über alle Jahrgänge hinweg kohärent aufgebaut sind. Eine ähnliche Querschnittsfunktion übernahm Ruth Gschwend für die Bereiche Methoden und Beurteilung. Ergänzend begleiteten vier weitere lehrmittelübergreifende Fachexpertinnen und -experten das Projektteam in den Bereichen Wortschatz, Deutsch als Zweitsprache, Differenzierung sowie Literaturdidaktik.

Digitale Unterstützung

Die digitalen Bestandteile unterstützen den Kompetenzaufbau im Unterricht und ermöglichen das selbstständige Arbeiten. Unter «So geht’s» stehen die Methoden, die Erklärungen zu Grammatik und Rechtschreibung sowie eigens produzierte Erklärfilme bereit. Schülerinnen und Schüler können so jederzeit selbstständig auf diese Inhalte zugreifen. Im Bereich «Üben» finden sich digitale Übungen zum Hören und Lesen, zu Grammatik und zu Rechtschreibung in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden

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