Myriam, war das eine bewusste Entscheidung, als du das Projekt Partnerschule lanciert hast?
Myriam: Ja genau, das haben wir uns am Anfang gut überlegt. Viele von uns kommen selbst aus der Praxis. Wir wussten: Wenn wir mit etwas kommen, das für das Schulfeld zu aufwendig ist, wird das nichts.
Sabrina: Das spürt man. Ihr nehmt ernst, was in der Schule gerade läuft. Wenn wir einmal niemanden für ein Interview oder einen Unterrichtseinblick vermitteln können, dann wird das respektiert. Ihr sagt nicht einfach: Jetzt brauchen wir aber dringend jemanden. Ich glaube, genau dadurch kann das Projekt bestehen.
Gibt es ein Beispiel, bei dem Rückmeldungen aus den Partnerschulen euren Blick auf ein Thema verändert haben?
Myriam: Ein gutes Beispiel sind die Lösungshefte beim Französischlehrmittel «dis donc!». Sie werden automatisch beigelegt, man kann sie bei der Bestellung nicht abwählen. Über die Jahre erreichten uns immer mal wieder Anfragen von Lehrpersonen, diese Lösungshefte nicht automatisch beizulegen. Als Grund wurde genannt, dass die Hefte von niemandem im Kollegium gebraucht würden. Wir waren uns daher zunehmend unsicher, ob diese Angebotsvariante
sinnvoll ist. Deshalb haben wir die Französischlehrpersonen der Partnerschulen dazu befragt.
Sabrina: Als ich vom Thema der Umfrage erfuhr, war meine spontane Reaktion: Ich würde die Lösungshefte eher rausnehmen. Dann habe ich die Umfrage an die Französischlehrpersonen weitergegeben. Dabei ging es nicht nur darum, Ja oder Nein anzukreuzen, sondern zu reflektieren: Nutzen wir die Lösungshefte tatsächlich, und wenn ja, wie? In welchen Situationen sind sie hilfreich? So geben die Lehrpersonen nicht nur eine Rückmeldung an den Verlag, sondern reflektieren gleichzeitig ihr eigenes Unterrichtsverhalten.
Myriam: Über die Partnerschulen konnten wir breiter in die Praxis hineinhören – nicht nur bei jenen, die sich an den Lösungsheften stören. Und es kam zurück: Ungefähr die Hälfte der Befragten setzt die Lösungshefte eben doch ein. Für uns war damit klar: Einfach künftig dem Set nicht mehr beilegen wäre nicht die richtige Antwort. Insbesondere Lehrpersonen, die selbstständiges Lernen umsetzen, nutzen das Lösungsheft und sind dankbar dafür, es nicht selbst drucken zu müssen.
Gleichzeitig können wir auch nicht jede Wunschlösung umsetzen. Zwei Varianten anzubieten – mit und ohne Lösungsheft – würde den logistischen Aufwand beträchtlich erhöhen. Zudem werden, da die Hefte häufiger genutzt werden als angenommen, auch weniger Exemplare entsorgt als befürchtet. Trotzdem – wir nehmen solche Rückmeldungen sehr ernst und lassen sie in aktuelle und künftige Lehrmittelentwicklungen einfliessen.
Sabrina: Genau das finde ich gut: Ihr entscheidet nicht aufgrund einzelner Rückmeldungen, sondern holt aus der Praxis ab, wie es tatsächlich ist. Das ist nicht etwas, das am Schreibtisch entschieden wird. Gleichzeitig fühlt man sich gehört. Ihr sagt klar, was möglich ist und was nicht. Das macht für mich den Austausch mit dem Verlag so wertvoll: Er ist auf Augenhöhe. Was beschäftigt uns und wie können wir uns gegenseitig unterstützen?