Drei Fragen an das Konzept- und Autorenteam

Welche Rolle spielen die Geschichte und Politik der Schweiz in «Gesellschaften im Wandel»?

Béatrice Ziegler: Die verschiedenen Lehrwerkteile enthalten viele Materialien zur Schweizer Geschichte und Schweizer Politik. Auch bei weltgeschichtlichen Themen wurden sehr bewusst Bezüge zur Schweiz hergestellt. Teilweise sind diese Bezüge überraschend. Bei der Behandlung der frühneuzeitlichen Zuckerwirtschaft in der Karibik zum Beispiel wird ein Neuenburger Plantagenbesitzer erwähnt. Damit wird deutlich: Schweizer Geschichte und Weltgeschichte sind eng miteinander verflochten. Das gleiche Prinzip gilt für den Bereich Politik: Wenn Menschenrechte besprochen werden, dann ist im Lehrmittel ersichtlich, dass diese gleichzeitig eine globale und eine schweizerische Dimension haben. Wenn die Demokratie behandelt wird, wird die schweizerische Ausprägung der direkten Demokratie thematisiert.

Philipp Marti: Darüber hinaus gibt es auch interessante Lernarrangements, welche die Schülerinnen und Schüler dazu anleiten, der Vergangenheit in ihrer näheren Umgebung nachzuspüren. Hier erfolgt der Bezug zur Schweiz also über die Regionalgeschichte. In Zusammenhang mit der Industrialisierung werden die Lernenden zum Beispiel dabei unterstützt, sich an ihrem Wohnort auf Spurensuche zu begeben. Ein Schweizer Schauplatz bildet auch den Hintergrund einer fiktiven Geschichte, mit der die Schülerinnen und Schüler in die Methoden historischen Arbeitens eingeführt werden. Es ist die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die im Kanton Glarus den Spuren der Industrialisierung nachgeht und dabei überraschende Entdeckungen macht. Diese fiktive Geschichte wird nicht nur als Text, sondern auf der Online-Plattform von Gesellschaften im Wandel auch als Hörspiel angeboten. Damit wird der Zugang für leseschwächere Lernende erleichtert.

Wie kann «Gesellschaften im Wandel» flexibel eingesetzt werden?

Stephan Hediger: «Gesellschaften im Wandel» hält Anregungen und Unterstützung für ganz unterschiedliche Lernwege bereit. Es gibt zwölf Erkundungswege. Sie sind sorgfältig auf den Lehrplan 21 abgestimmt und leiten die Schülerinnen und Schüler mit Arbeits- und Lösungsblättern direkt zum kompetenzorientierten Arbeiten an. Das Lehrmittel ist aber bewusst so konzipiert, dass es auch ganz anders verwendet werden kann. Möglich ist dies, weil «Gesellschaften im Wandel» aus vier Teilen besteht, die je andere didaktische Funktionen erfüllen. 

Jan Hodel: Es ist bei «Gesellschaften im Wandel» die Lehrperson, die entscheidet, wie sie das Lehrmittel im Unterricht einsetzen möchte – abhängig von den Bedürfnissen und Möglichkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Lehrpersonen können mit dem Lehrmittel einen kleinschrittigen, stark lehrerzentrierten wie auch einen stark selbstorganisierten Unterricht durchführen – oder auch eine Mischung aus beidem. So können sie zum Beispiel in Gruppen unterrichten und dabei leistungsschwächere Gruppen mit anderen Lernaufgaben anleiten als stärkere Gruppen. Das Handbuch ist voll von konkreten Vorschlägen und Hilfestellungen für die Gestaltung des Unterrichts.

Wie wird unterschiedlichen Lernbedürfnissen begegnet?

Stephan Hediger: Von Anfang an war klar: Das Lehrwerk muss unterschiedlichen Lernbedürfnissen entgegenkommen. Es soll so sein, dass alle Lernenden optimal gefördert werden. Diesem Anspruch wird auf verschiedenen Ebenen begegnet. Die Materialien, die zur Verfügung stehen, sind sehr vielfältig. Neben Textdokumenten gibt es viele Bilder, Karten und Grafiken, aber auch Audio- und Videodokumente. Es wurde darauf geachtet, dass im Themenbuch verschiedene Textgattungen vorkommen. Überblicksdarstellungen wechseln sich ab mit anschaulichen Beispielen. Auf der Online-Plattform gibt es spielerische, visuell attraktive Aufgaben zur Politischen Bildung. Die Arbeitsblätter enthalten einfachere und komplexere Lernaufgaben. Und schliesslich stehen im Handbuch Planungsinstrumente zur Verfügung, die die Lehrpersonen dabei unterstützen, den Unterricht auf unterschiedliche Lernbedürfnisse abzustimmen.